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Geschichte

Als Typenbau errichtetes Munitionslagerhaus in der ehemaligen "Luftmunitionsanstalt Breitengüßbach" bei Bamberg, wie es in vergleichbarer Form auch in der "Luftmunitionsanstalt Hartmannshain" anzutreffen ist.

Munitionsanstalten der deutschen Wehrmacht

Nach der sogenannten "Machtergreifung" der Nationalsozialisten im Jahr 1933 begann ein Prozess der Wiederaufrüstung der durch den Vertrag von Versailles (1919) einschränkten Reichswehr im Hinblick auf einen zukünftigen Expansionskrieg. In diesem Zusammenhang wurde etwa ab 1935 auch verstärkt mit dem Bau sog. Munitionsanstalten (Kurzbezeichnung: Muna) begonnen. Aufgrund der für jede Waffengattung - Heer, Luftwaffe und Marine - spezifischen Munition und der Unabhängigkeit der Waffengattungen untereinander wurden für jeden der drei Wehrmachtsteile eigene Munitionsanstalten eingerichtet (alle Darlegungen nach Prof. Johannes Preuß, Gutenberg-Universität Mainz).

Bis 1945 wurden von der deutschen Wehrmacht insgesamt 370 Munitionsanstalten gebaut und betrieben: 127 Heeres-Munitionsanstalten (HMa), 136 Heeres-Nebenmunitionsanstalten (HNMa), 19 Lufthauptmunitionsanstalten (LHMa), 55 Luftmunitionsanstalten (LMa), 15 Marine-Artillerie-Zeugämter (MarArtZa), 2 Marine-Sperrwaffen-Zeugämter (MarSprwZa), 8 Marine-Sperrwaffenlager (MarSprwL), 6 Torpedomunitionslager (TorpMunL), 2 Marineeinrichtungen unbekannter Zuordnung.

Hauptaufgabe der Munitionsanstalten war die Herstellung von feldbrauchbarer Munition aus scharfen und unscharfen Munitionsteilen sowie die Fertigung erforderlicher Teile und deren Zusammenbau. Dazu gehörte auch die Wiederaufarbeitung der aus dem Kampfgebiet zurückgeführten beschossenen Munitionsteile, wie z. B. der Kartuschhülsen und Packkisten. Ferner wurde in den Munitionsanstalten die zurückkommende Munition untersucht, instandgesetzt oder delaboriert bzw. vernichtet.

Zweite Aufgabe der Munitionsanstalten war die Lagerung und Instandhaltung der Munition, sowie deren Verwaltung und Abgabe an die Truppe. Weiter dienten die Munitionsanstalten zum Aufbewahren der für die Munitionsarbeiten erforderlichen scharfen und unscharfen Munitionsteile, der Werkstoffe, der Munitions- und Betriebsgeräte, der Betriebsstoffe, der Packmittel sowie der Nebelgeräte und Nebelmittel.



Ansicht von Grebenhain im Jahr 1938. Im Hintergrund sind deutlich die Gebäude und Anlagen der "Luftmunitionsanstalt Hartmannshain" zu erkennen.

Vorgeschichte und Bau der "Luftmunitionsanstalt Hartmannshain"

Das Gelände, auf dem die "Luftmunitionsanstalt Hartmannshain" errichtet wurde, weist eine lange Vergangenheit auf. In mittelalterlicher Zeit befand sich hier, am Fuß des Oberwaldes und in Nachbarschaft zu der alten Handelsstraße "durch die kurzen Hessen" gelegen, das erstmals 1399 urkundlich erwähnte Dorf Schershain. Dieses wird bereits 1556 als Wüstung bezeichnet. Seine Bewohner sind vermutlich im Spätmittelalter in die niedriger gelegenen Nachbarortschaften Grebenhain und Bermuthshain übergesiedelt.

Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts war das Gelände unbesiedelt, abgesehen von denen östlich davon in Richtung Grebenhain gelegenen Ahlmühlen. 1893 wurde von einem Privatmann im Oberwald oberhalb der Ahlmühlen ein Jagdhaus gebaut. 1904 erwarb der pensionierte Frankfurter Polizeipräsident Wilhelm Freiherr von Müffling das Jagdhaus und ein Grundstück zum Bau der sog. Waldvilla. Zwischen 1933 und 1935 war in der Waldvilla eine BDM-Führerinnenschule untergebracht, bevor Villa und Jagdhaus vom Reichsluftfahrtministerium erworben wurden.

Der Bau der Luftmunitionsanstalt im Oberwald, jeweils weniger als zwei Kilometer westlich von Grebenhain bzw. nördlich von Bermuthshain, begann im April 1936. Die offizielle Bezeichnung der Anlage war "Luftmunitionsanstalt Hartmannshain" (LMa 1/XII) nach der drei Kilometer im Westen gelegenen Ortschaft Hartmannshain, obwohl sie sich vollständig in der Gemarkung von Grebenhain befand. Warum der Bezug zu Hartmannshain gewählt wurde, ist bis heute unbekannt. Die häufige Annahme, dass dies aus Gründen der Tarnung geschah, ist bisher nicht durch zeitgenössische Quellen belegt.



Nachträgliche planerische Rekonstruktion der "Luftmunitionsanstalt Hartmannshain" durch das Baugrund-Institut in Gießen aus dem Jahr 1994. Farbig dargestellt sind hier die Häuser im Wohn- und Verwaltungsbereich (Grün), die Gebäude im Arbeitsbereich (Blau) und die oberirdischen Bunker im Munitionslagerbereich (Rot).

Aufbau und Infrastruktur der Muna

Die "Luftmunitionsanstalt Hartmannshain" wies die für alle Luftmunitionsanstalten typische Einteilung in verschiedene Funktionsbereiche auf: eine Wohn- und Verwaltungssiedlung, einen Arbeitsbereich mit jeweils mehreren Arbeitshäusern, Packhallen und Werkstätten sowie das Munitionslager mit zuletzt rund 120 oberirdisch angelegten und durch Erdaufschüttung mit Bepflanzung getarnten Munitionshäusern (Bunker). Die Muna erhielt ihre Munitionslieferungen hauptsächlich von den Sprengstoffwerken Allendorf und Herrenwald im Landkreis Kirchhain (heute Stadtallendorf), aber auch aus der Sprengstofffabrik Hessisch Lichtenau (heute Stadtteil Hirschhagen). Sie war eine von vier Munitionsanstalten der Luftwaffe auf dem Gebiet des heutigen Bundeslandes Hessen, neben Dieburg (Münster), Frankenberg (Burgwald) und Wolfhagen (Gasterfeld).

Die Muna bei Grebenhain diente der Fertigstellung von Luftwaffenmunition, d.h. der Bezünderung, Konfektionierung und Verpackung von Bomben und Bordwaffenmunition sämtlicher Kaliber. In der Muna lagerten Abwurf-, Flak- und Infanteriemunition, außerdem Leucht-, Spreng- und Zündmittel. Die Muna wurde auch als Lagerort von Flugmotoren, Fesselballonteilen, sonstiger kriegswichtiger Gerätschaften und erbeuteter Feindmunition genutzt.

Die Muna verfügte über eine aufwendige und eine hochmoderne Infrastruktur mit eigenem Strom-, Wasser-, Kanalisations- und Telefonnetz, außerdem ein Notstromaggregat und eine eigene Tankstelle. Neben den weitgehend asphaltierten bzw. gepflasterten Straßen gab es auf dem Gelände auch ein internes Gleisnetz mit eigenen Rangierdiesellokomotiven.



Lagerarbeiter und -arbeiterinnen der Muna beim Verladen von Munitionskisten im Jahr 1942.

Personal und Betrieb der Muna

Das Personal der Muna bestand vor Kriegsbeginn aus rund 80 Personen. Hinzu kam noch die Wachmannschaft mit einer Stärke von etwa 20 bis 30 Personen. Während des Krieges nahm der Personalbestand erheblich zu und umfasste mindestens etwa 200 bis 250 Menschen pro Arbeitsschicht. Berichte sprechen von zeitweise bis zu 800 Arbeitskräften insgesamt. Die Beschäftigten stammten überwiegend aus der Region. Nach Ausbruch des Krieges nahm der Anteil von dienstverpflichteten Frauen unter der Belegschaft immer mehr zu. Für die deutschen Arbeitskräfte war eine eigene Wohnsiedlung in Grebenhain (Eisenbergsweg) geplant, die aber nie gebaut wurde.

Durch Einberufung der meisten Männer zur Wehrmacht entstand in der Muna ab etwa 1941/42, wie in der deutschen Kriegswirtschaft insgesamt, ein immer stärkerer Arbeitskräftemangel. Ab Juli 1943 wurden daher auch in der "Luftmunitionsanstalt Hartmannshain" ausländische Zwangsarbeiter eingesetzt. Es waren dies 110 junge Frauen und Mädchen aus der von deutschen Truppen besetzten Ukraine, die in einem zur Muna gehörenden "Ostarbeiterlager" in Bermuthshain ihre Unterkunft hatten. Neben ihnen mussten auch 18 ukrainische Männer sowie ab 1944 eine Gruppe von 14 sog. italienischen Militärinternierten (IMIs) in der Muna Zwangsarbeit leisten. Ihre Unterkünfte waren eine stillgelegte Molkerei in Bermuthshain und eine Baracke neben der Muna-Wache.

Die Munitionsarbeiten in der Muna umfassten im wesentlichen das Fertigmachen der Munition, das Einschrauben der Zünder, und die Verpackung der Munition. Zu den besonders gefährlichen Tätigkeiten gehörte die Bestückung von Abwurfbehältern mit den bereits bezünderten Splitterbomben des Typs SD 1. Hierbei kam es am 25. Januar 1944 zu einem Explosionsunglück, bei dem drei junge ukrainische Zwangsarbeiterinnen tödlich verletzt wurden. Diese Opfer waren nicht die einzigen, die die Muna im Verlauf ihres Bestehens gefordert hat. Weitaus höher dürfte allerdings die Zahl der "indirekten" Opfer der Muna durch den Einsatz und Abwurf der dort fertiggestellten und ausgelieferten Munition gewesen sein.



Ruine eines nach 1940 erbauten und Ende März 1945 gesprengten Munitionslagerhauses (Doppelbunker) im heutigen Zustand.

Der Luftangriff am 22. März 1945 und das Ende der Muna

Während der gesamten Dauer des Zweiten Weltkrieges (1939-1945) wurde die "Luftmunitionsanstalt Hartmannshain" niemals gezielt von den alliierten Luftstreitkräften angegriffen. Dies ist darauf zurückzuführen gewesen, dass die Munitionsanstalten aus Sicht der Alliierten im Verhältnis etwa zur Treibstoffproduktion und zum Verkehrsnetz nur eine sehr geringe Zielpriorität hatten. Nicht geklärt ist, ob der Abwurf von Bomben auf die Ortschaften Volkartshain und Herchenhain im August 1941 durch die britische Royal Air Force einen Bezug zu der benachbarten Muna hatte. Bei diesen Angriffen kamen in Volkartshain und Herchenhain jeweils zwei Menschen ums Leben.

Nach der Landung der allliierten Expeditionsstreitkräfte in der Normandie im Juni 1944 wirkte sich die Luftherrschaft der amerikanischen Heeresluftwaffe (USAAF) bei Tage über deutschem Gebiet immer stärker auf den Alltag im Vogelsberg aus. Ab Oktober 1944 wurden auch Personen- und Güterzüge auf der Vogelsbergbahn beinahe täglich angegriffen und beschossen. Nachweislich sind am 16. März 1945 von alliierter Seite Luftaufnahmen des Vogelsberggebietes angefertigt worden, auf denen die Muna deutlich zu erkennen ist.

Am 22. März 1945 bombardierten acht amerikanische Jagdbomber die Bahnstrecke bei Ilbeshausen, rund 5 km nördlich der Muna. Danach folgten die Piloten den Bahngleisen südwärts und entdeckten einen abfahrbereiten und vollbeladenen Munitionszug, der ungetarnt an der Laderampe im Arbeitsbereich der Muna stand. Bei dem nun folgenden etwa halbstündigen Beschuss mit Bordwaffen kam es zu einer gewaltigen Explosion mit einem langen und tiefen Sprengtrichter, außerdem zu starken Bränden und schweren Gebäudeschäden. Folge des Angriffs waren mehrere Tote und Schwerverletzte. Schäden durch die Explosion des Zuges wurden sogar noch in den mehrere Kilometer entfernten Nachbarorten Grebenhain, Bermuthshain und Crainfeld verursacht.

Unterdessen hatten am 22.03.1945 auch die ersten Verbände der 3. US-Armee unter General Patton bei Oppenheim den Rhein überschritten. Ganz im Sinne des am 19. März 1945 von Hitler erlassenen "Nerobefehls" wurden die fast vollständig mit Munition gefüllten Bunker der Muna zur Sprengung mit Zeitzündern vorbereitet. Nach der Erinnerung von Zeitzeugen fanden die Sprengungen vor allem am 27. und 28. März 1945 statt. Dabei wurde ein beträchtlicher Teil des Oberwaldes in der Umgebung der Muna mit gefährlichen Munitionsrückständen verseucht.



Ehemalige Werkstätten der Muna im sog. Garagenhof im heutigen Zustand.

Das Muna-Gelände von 1945 bis heute

Am 29. März 1945 erreichten die ersten amerikanischen Panzerverbände Grebenhain und durchquerten den Ort weiter auf der heutigen Bundesstraße 275 in Richtung Herbstein und Lauterbach. Am 31. März 1945 besetzten die Amerikaner auch Bermuthshain und befreiten die noch im Ort verbliebenen Zwangsarbeiterinnen der Muna. Im Chaos und der Anarchie der ersten Tage und Wochen nach der amerikanischen Besetzung im April und Mai 1945 wurde die von der deutschen Wehrmacht verlassene "Luftmunitionsanstalt Hartmannshain" von befreiten Zwangsarbeitern und insbesondere von vielen Einwohnern der benachbarten Ortschaften in großem Maßstab geplündert. Ein Großteil des beweglichen Inventars, darunter selbst größere Gegenstände wie Herde und Badewannen, wurden abtransportiert. Auch die Umzäunung wurde vollständig demontiert.

Erst einige Tage nach ihrem Einmarsch in Grebenhain und Bermuthshain besetzten amerikanische Truppen auch das Muna-Gelände und zerstörten die noch vorhandene Abwurfmunition und die Reste der Bunkeranlagen. Die US-Armee bewachte das Areal bis Herbst 1946. Seitdem gab es eine Wachtruppe von 29 deutschen Zivilisten. Die letzten amerikanischen Soldaten verließen die Muna Anfang 1947.

Die Wohn- und Verwaltungssiedlung und die Arbeitshäuser, Packhallen und Garagen blieben nach Kriegsende weitgehend erhalten. Bereits im Sommer 1946 gab die amerikanische Militärregierung die Gesamtbestände der Muna zur "Auflösung und Verteilung an die deutsche Wirtschaft" und damit zur Nutzung durch eine zivile Industrie frei. In den folgenden Jahren kam es zur Gründung zahlreicher kleiner und mittlerer Industriebetriebe, die zwar häufig nur wenige Jahre existierten, aber zahlreichen Menschen Arbeit in einer sehr schwierigen Zeit boten. Es waren vor allem Heimatvertriebene aus den deutschen Ostgebieten und dem Sudetenland, von denen die Initiative zur Gründung dieser Unternehmen ausging.

Zu den in der Nachkriegszeit entstandenen Unternehmen gehörten eine Gesellschaft zur Herstellung von Glaswaren durch Vertriebene aus Gablonz und Karlsbad, die Metallmöbelfabrik Primissima GmbH, die Strumpffabrik Helmut Fischer, die Oberhessische Wollreißerei Schmeling & Bredow (später Wollreißerei Hellmuth Müller), die Färberei Ulrich und die Heizkesselfabrik Otte. Durch die Industrieansiedlungen wandelte sich das vor 1936 überwiegend durch Landwirtschaft und Kleinhandwerk geprägte Dorf Grebenhain zu einer Industriegemeinde.

Die Tuchfabrik Carl Müller, ein Exilunternehmen aus Spremberg in der Lausitz (Sowjetische Besatzungszone), bestand seit 1948 und beschäftigte in ihren besten Zeiten rund 300 Arbeitskräfte. Mehr als die Hälfte waren Vertriebene und Flüchtlinge. Nach dem Tod ihres Inhabers im Jahr 1961 konnte sich die Firma nicht mehr lange am Markt behaupten. Im Jahr 1966 erwarb die Grebenhainer Kartonagen GmbH die Gebäude. Mittlerweile firmiert dieser Betrieb unter der Bezeichnung STI Grebenhain Display & Verpackung GmbH und ist gegenwärtig der wichtigste Arbeitgeber in der Gemeinde Grebenhain.



Zu Beginn der 1980er Jahre neu erbautes Munitionslagerhaus im früheren NATO-Versorgungsdepot.

1957 pachtete das West-Berliner Bezirksamt Reinickendorf zwei Muna-Hallen und richtete dort nach einem Umbau das sog. Berliner Ferienlager ein. Vor allem sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche aus West-Berlin wurden zur Erholung in den Ferien nach Grebenhain geschickt. Die deutsche Wiedervereinigung und das Ende der politischen "Insel" West-Berlin 1990 führten rasch zum Ausbleiben der Kinder aus Berlin, so dass das Ferienlager für alle interessierten Besucher und Gruppen geöffnet wurde.

Mitte der 1970er Jahre fasste die US-Armee den Beschluss, im Bereich der ehemaligen Munitionsbunker ein vorgeschobenes NATO-Versorgungsdepot (engl. Forward Storage Site) zu errichten. Den Hintergrund für den Bau dieses sog. NATO-Lagers bildete die damalige Militärstrategie der NATO. Man ging für den Kriegsfall von einem Vorstoß der Panzerverbände des Warschauer Paktes von Thüringen (damalige DDR) durch Osthessen (das sog. Fulda Gap - Fuldaer Lücke), vorbei am Vogelsberg, in Richtung des Rhein-Main-Gebietes aus.

Das NATO-Lager Grebenhain entstand auf einer Fläche von 22 ha. Vor dem Baubeginn im Jahr 1978 wurde eine gründliche Entmunitionierung des Baugeländes vorgenommen. Neben einem Wachhaus errichtete man eine Waschanlage, Werkstätten, ein Lager für technische Geräte, verschiedene Hallen, eine Feuerlöschzisterne und 27 Bunkeranlagen zur Lagerung konventioneller Panzer- und Haubitzenmunition sowie Bomben. In einem weiteren Bauabschnitt entstanden ein Landeplatz für Hubschrauber und unterirdische Tankanlagen mit einem Fassungsvermögen für rund 1,5 Mio. Liter Kerosin und Dieseltreibstoff. Das Lager war zunächst einfach umzäunt und wurde nach Protesten von einem Doppelzaun umgeben. Sämtliche Baulichkeiten wurden neu errichtet. Überreste der früheren Muna wurden dagegen beim NATO-Lager in keinem Fall weitergenutzt.

Der Bau des 1982 fertiggestellten NATO-Lagers fiel unmittelbar mit der Hochphase der Friedensbewegung im Gefolge des sog. NATO-Doppelbeschlusses zusammen. Innerhalb der Bevölkerung der Region traf das NATO-Lager daher teilweise auf massive Ablehnung und wurde zur Zielscheibe von Protesten der Friedensbewegung. Deren Höhepunkt war ein "Internationales Friedenscamp" mit 3.000 Aktivisten vor dem NATO-Lager im September 1984. Kaum ein Jahrzehnt nach seiner Fertigstellung wurde das NATO-Lager Grebenhain durch das Ende des Kalten Krieges und die Wiedervereinigung Deutschlands im Jahr 1990 überflüssig und von der US-Armee geräumt. Die Gemeinde Grebenhain pachtete zunächst und erwarb dann zum 1. Januar 2000 das Gelände des NATO-Lagers einschließlich der Gebäude. Heute dienen die Bunkeranlagen verschiedenen Firmen und Gewerbebetrieben als Lagerraum. Die 2005 asphaltierten Straßen im NATO-Lager sind neben ihrer Funktion als Zufahrt zu den Lagerflächen (Bunkern) auch als Rundstrecke für Skater und Roll-Ski-Sportler geeignet.

Die folgenreichste Erblast der Muna bildet bis in die Gegenwart die Verseuchung weiter Teile des Oberwaldes durch Überreste und Rückstände von Munition. Bereits seit Februar 1947 arbeitete auf Anordnung der Militärregierung ein ziviles "Sprengkommando" und barg vor allem Splitterbomben sowie Bordwaffen- und Infanteriemunition.

Durch die Sprengungen 1945 waren etwa 450 ha Fläche verseucht. Bis 1973 entmunitionierte die Firma Amend rund 7 ha. Danach führte die Firma Tauber aus Münster diese Arbeiten fort. Eine systematische Entmunitionierung des Oberwaldes begann erst im Jahr 1991, nachdem sich Grebenhains damaliger Bürgermeister Manfred Dickert wiederholt bei Bundes- und Landesbehörden hierfür eingesetzt hatte. Bis zum Jahr 2009 wurden insgesamt rund 30 Millionen € für die Entmunitionierung aufgewandt. Seit Herbst 2013 sind die Entmunitionierungsarbeiten im Oberwald abgeschlossen.