Arbeitskreis - Förderverein - Museum
Museum


Der Sitz des Muna-Museums Grebenhain in der "Alten Schule" im Ortsteil Bermuthshain.

Idee und Konzept

Das Muna-Museum Grebenhain wurde am 8. Mai 2011 als Erinnerungs-, Gedenk- und Mahnstätte, als Ort des historischen Lernens und als Forschungsstätte und Archiv zur Geschichte und den Folgewirkungen der "Luftmunitionsanstalt Hartmannshain" in der Zeit des Nationalsozialismus eröffnet. In seiner Konzeption ist es die erste und einzige derartige Einrichtung zum Themenkomplex der Munitionsanstalten in Deutschland. Die Einrichtung wird gefördert durch den Hessischen Museumsverband. Träger ist die Gemeinde Grebenhain.

Das Museum befindet sich in der denkmalgeschützten "Alten Schule", einem 1829/30 ursprünglich als Schulhaus gebauten und bis 1952 als solches genutzten Fachwerkhaus im Grebenhainer Ortsteil Bermuthshain. In Bermuthshain hatte sich zwischen 1943 und 1945 das "Ostarbeiterlager" der Muna befunden, das den rund 110 ukrainischen Zwangsarbeiterinnen als Unterkunft gedient hat. In zwei Dauerausstellungen werden der Bau, der Betrieb und der Alltag innerhalb der "Luftmunitionsanstalt Hartmannshain" zwischen 1936 und 1945 und die vielfältigen zivilen und militärischen Nutzungen des Geländes von 1946 bis zur Gegenwart thematisiert.

Ein Mehrzweckraum (Betsaal) ermöglicht die Abhaltung von Vorträgen, Seminaren und Wechselausstellungen. Ein dem Museum angeschlossenes Archiv mit Bibliothek bewahrt reproduzierte Originaldokumente, Gegenstände und Literatur zur Geschichte der Muna und damit zusammenhängender Themen. Das Muna-Museum Grebenhain bietet somit für interessierte Personen und Gruppen auch die Möglichkeit zu eigenen Forschungen sowie zur Veranstaltung von Vorträgen und Seminaren zu Themenkomplexen wie Nationalsozialismus, Zwangsarbeit und Zweiter Weltkrieg in der Region Vogelsberg und darüber hinaus.

Blick in die Dauerausstellung I (1936-1945) im Muna-Museum Grebenhain.

Die Dauerausstellungen

Die Dauerausstellung I verdeutlicht die Entwicklung und Geschichte der Muna von 1936-1945. Der Rundgang durch die Ausstellung beginnt nach Betreten des Raumes auf der linke Seite. Auf Schautafeln werden die wichtigsten geschichtlichen Aspekte der Muna anhand von Texten und historischen Aufnahmen verdeutlicht. Dies sind der Bau und die infrastrukturelle Ausstattung der Muna, die Rolle in der Rüstung und Kriegführung des nationalsozialistischen Deutschen Reiches, der amerikanische Luftangriff auf die Muna am 22. März 1945 und die Aufgabe der Muna und die Sprengung der Bunkeranlagen beim Herannahen amerikanischer Panzerverbände sowie die kurz danach einsetzende Plünderung des Geländes.

Auf der südlichen Stirnseite vermitteln große Fotocollagen anhand der Darstellung originaler Fotos und Kennkarten einen Eindruck vom „Alltag“ in der Muna und der Bedeutung der Zwangsarbeit durch die verschleppten jungen Ukrainerinnen. Einblicke in die Erinnerungen einer Zeitzeugin, die in der Muna gearbeitet hat, ermöglicht ein Fotofilm, der über ein Mediendisplay abgerufen werden kann. Weitere Fotofilme sind geplant. Auf der nördlichen Stirnseite des Raumes werden die Ausmaße und die Struktur der Muna anhand historischer Luftaufnahmen von 1945 und eines schematischen Modells dargestellt. Daneben sind in der Dauerausstellung I auch ausgewählte Exponate aus der Betriebszeit der Muna zu sehen.

Die Dauerausstellung II thematisiert die Entwicklung des Muna-Geländes nach der Freigabe durch die amerikanische Militärregierung 1946 anhand von Schautafeln und verschiedenen Exponaten. Der Rundgang beginnt auf der linken Seite mit der Nutzung der erhaltenen Baulichkeiten der Muna durch zivile Firmen und Industriebetriebe ab 1946. Ein bis in die Gegenwart aktuell gebliebenes Thema ist die Entmunitionierung des Oberwaldes.

Dass die militärische Geschichte des Geländes nicht mit dem Jahr 1945 endete, erfährt der Besucher anhand der Darstellung des NATO-Lagers. Wie dieses 1982-1990 bestehende Versorgungsdepot der US Army hängt auch das abschließend dargestellte Berliner Ferienlager (ab 1957) mit der Zeit des Kalten Krieges zusammen.

Im Flur der "Alten Schule" vermitteln die Schautafeln am Eingang zur Dauerausstellung II Informationen an die Besucher, welche das Gelände der Muna im Oberwald im Rahmen eines Rundgangs auch selbst einmal kennenlernen möchten. An der gegenüberliegenden Wand ist eine große Karte angebracht, welche die Standorte aller 370 Munitionsanstalten von Heer, Kriegsmarine und Luftwaffe zeigt. Weiterhin befindet sich hier noch ein Lesepult, über das der Besucher eine Sammlung von historischen Bildern und Dokumenten zur Geschichte der Muna betrachten kann.

Blick in die Ausstellung in der Außenstelle des Museums im früheren NATO-Lager.

Die Außenstelle

Seit der Einweihung am 8. Mai 2013 verfügt das Museum auch über eine Außenstelle. Sie befindet sich in einem zu Beginn der 1980er Jahre errichteten Bunker im früheren NATO-Lager. In der Außenstelle sind weitere originale Exponate aus der "Luftmunitionsanstalt Hartmannshain" zu sehen, welche aus dem Fundus des Arbeitskreises Muna stammen, aber bisher u. a. aus Platzgründen nicht dauerhaft ausgestellt werden konnten.

Im Zentrum der Ausstellung befindet sich das 1998 in der Muna geborgene und äußerlich restaurierte Exemplar einer Panzersprengbombe des Typs PC 1400 mit einem Gewicht von mehr als einer Tonne. Thematisiert wird jedoch auch die Friedensbewegung im osthessischen Raum in den früheren 1980er Jahren, deren Protest sich u. a. gegen das NATO-Lager richtete. Zeitgenössische Plakate und Transparente stehen für diesen Teil der Geschichte des Muna-Geländes.